Grünwettersbach


Wettersbach ist eines der sogenannten Karlsruher Bergdörfer, da es nicht im Rheingraben, sondern  östlich des Grabenrands auf der Hochfläche der Alb-Pfinz-Platte  liegt. Das alte Haufendorf wurde vom Kloster Herrenalb als Rodungssiedlung im Bereich des Wettersbachtals, wo die Wasserversorgung gewährleistet war, gegründet. Außerdem ermöglichte das Wettersbachtal einen leichten Zugang zur Oberrheinebene. Wahrscheinlich lag der ursprüngliche Dorfkern aus Verteidigungsgründen zunächst etwas erhöht im Bereich der Kirche. Interessant ist, dass Grünwettersbach ab der Mitte des 16. Jhdts  inmitten badischen Territoriums  bis 1806 württembergisch und damit der westlichste Teil Württembergs war. Der zunächst landwirtschaftlich geprägte Ort veränderte sich mit dem Entstehen von Arbeitsplätzen in den umliegenden Fabriken von Ettlingen, Durlach und Karlsruhe zu einer Arbeiterwohngemeinde. 1972 schloss sich Grünwettersbach mit dem Nachbarort Palmbach unter dem Namen Wettersbach zusammen. Mittlerweile sind Grünwettersbach und Palmbach  seit der Eingemeindung 1975 Teilorte/Wohnvororte von Karlsruhe, haben aber noch eine gemeinsame Ortsverwaltung.



Blick über Grünwettersbach
Ansicht von Nordwesten, deutlich sichtbar ist die Lage im Tal des Wettersbachs, das beiderseits von löß-/lößlehmbedeckten Flächen der Pfinz-Alb-Platte begleitet wird.


Ausschnitt Grünwettersbach
Der Grünstreifen im Mittelgrund kennzeichnet den Verlauf des Wettersbachs. Der kleine Turm des Trafohauses ungefähr in der Bildmitte steht am Wettersbach, in der ehemaligen Bachgasse. In der Tiefe des Tals liegen meist ältere Häuser mit roten Dächern, neuere Häuser finden sich oberhalb an den Talhängen und Hochflächen.
 

Der Wettersbach
Das Bachbett ist teilweise mit Buntsandsteinblöcken befestigt;  im Ortsbereich schneidet sich das Gewässer in den  Oberen Buntsandstein ein. Normalerweise führt der Wettersbach nur wenig Wasser, schwillt aber bei Schneeschmelze, Regengüssen und Unwettern stark an. Dieser Wetterabhängigkeit verdankt der Bach auch seinen Namen.
 

Wettersbach
Der kanalisierte Bach verläuft heute im Ortsbereich teilweise unterirdisch. Bei den häufigen Unwettern des Jahres 2008 mit vielen großen Überschwemmungen in Baden-Württemberg  ist die Frage berechtigt, ob der Bachquerschnitt die Wassermassen eines starken Unwetters wie im August 1837 in Grünwettersbach, bei dem die Ernte vernichtet und Häuser und Wege beschädigt  wurden, aufnehmen kann.


Lammplatzbrunnen
Der offizielle Name des Brunnens kommt vom ehemaligen Gasthaus "Zum Lamm", das früher hier stand.

  
Das rechte Bild deutet die Entstehung des Spitznamens des Brunnens an: Kiwwelscheisserbrunnen.
Die Grünwettersbacher hatten den Spitznamen "Kiwwelscheisser", weil sie im Sinne einer Fäkalienwirtschaft auch menschliche Exkremente in einem Kiwwel (Kübel) sammelten und zum Düngen der Felder verwendeten.


Die Hauptverkehrsader des Orts ist die Straße "Am Wetterbach"
Im Mittelgrund links das Rathaus mit kleinem Dachreiter, oberhalb die alte Schule und im Hintergrund die Kirche. Das Gasthaus "Adler" mit schönem Gewölbekeller ist leider seit einigen Jahren geschlossen.

  
Die evangelische Kirche
Der romanische Turm deutet mit Gardinenfries, gekuppelten Rundbogenfenstern, Zahnschnittkante und zwei mystischen  Köpfen (s.u.) im unteren Bereich sein hohes Alter an. Da die Kirche bereits 1278 zum ersten Mal erwähnt wird , ist dieser Turm - evtl. schon aus dem 12. Jhdt. - das älteste Bauwerk von Grünwettersbach.


Turmausschnitt mit den steinernen Köpfen
Die Steinmasken werden auch Kapuzinerköpfe genannt.



Das jüngere Kirchenschiff ist ein schlichter Barockbau und stammt aus dem Jahr 1782, damals erhöhte man auch den romanischen Turm mit  Glockenstube  und Turmhelm. Beide sind heute - wie das Langhaus - mit  Schieferplatten verkleidet bzw. gedeckt.


Hinweisschild an der Kirche


Die "Schneller-Burg"
In diesem Haus etwas oberhalb der Kirche arbeitete seit 1925 der Kunstmaler Albert Schneller (1882 - 1970)

  
Hier zwei Beispiele seiner expressionistischen Bilder (Privatbesitz R. Six)

In Grünwettersbach erinnert noch Manches an die vormals bäuerliche Prägung des Orts.


Wingertgasse
Die Scheune zeigt deutlich, dass das Gebäude früher landwirtschaftlich genutzt wurde. Der Stall lag im unteren Stockwerk, die Wohnung ist über eine Freitreppe zugänglich. Der untere Teil der Wingertgasse gehört zum alten Dorfkern. Im mittleren und oberen Teil gab es früher Weingärten.

  
Die Scheune hinter dem modernisierten Wohnhaus zeigt an ihrer zum Bach gewendeten Rückseite ein altes Fachwerk, dessen Gefache noch mit Flechtwerk und einer Stroh/Lehmmischung ausgefüllt sind.

   
Weitere Scheunen im früher bäuerlich geprägten Bereich der Hauptstraße "Am Wetterbach"


Ehemaliges Bauernhaus - Busenbacher Straße


Am Wetterbach
Das große Einfahrtstor ist ein Hinweis auf die ehemals landwirtschaftliche Nutzung der Gebäude.


Obsthof
Heute befinden sich landwirtschaftliche Haupterwerbsbetriebe nur noch als Aussiedlerhöfe auf der Gemeindeflur.


Streuobstwiesen um den Ort prägen das Landschaftsbild und bieten vielen Tieren Lebensraum.


Steinbruch Schäfer - der letzte Steinbruch auf Grünwettersbacher Gemarkung
Der Blick in den Bruchhof zeigt einen Steinmetzbetrieb im Buntsandstein, wo u.a. Mauersteine, Grabsteine, Sandsteintröge hergestellt werden.


Teilbereich (obere rechte Ecke)  aus dem vorherigen Bild
Im Hintergrund sieht man das anstehende Gestein: Oberer Buntsandstein, hier Pfinzsandstein. Dieser Sandstein war ein häufig genutzter Werkstein der Umgebung und wurde früher in vielen Steinbrüchen abgebaut und in den umliegenden Städten und Dörfern verwendet.


Ehemalige Tabakwarenfabrik
In dem großen Buntsandsteinkomplex am nördlichen Ortsanfang produzierte ab Ende des 19. Jahrhunderts die Firma "Rieger und Company" zunächst Zigarren im südlichen (linken) Gebäude, im später dazu gebauten nördlichen Gebäudeteil dann auch andere Tabakwaren. Unter wechselnden Besitzern wurde die Tabakwarenherstellung bis Mitte des 20. Jahrhunderts fortgesetzt. Ab 1955 produzierte hier eine Wäschefabrik. Heute wird das Gebäude teilweise von einem "Fitness-Treff" genutzt.


Gewerbegebiet Seeplatte
Im Bereich der "Seeplatte" haben sich einige Gewerbebetriebe angesiedelt. Früher kam es hier bei Schneeschmelze oder stärkeren Regenfällen gelegentlich zur Bildung eines kleinen Sees.


Reikertstraße

Neubaugebiete befinden sich an den Hängen und beiderseits oberhalb des Wettersbachtals.


Rötlingweg

  
Der Funkturm
Er steht  mit einer Bauwerkshöhe von 144 m auf ca. 320 m Meereshöhe und bildet damit den höchsten Punkt von Grünwettersbach und Karlsruhe.

Bergdorf Grünwettersbach - Blick von der Horfstraße nach Norden
Bilder Mai und August 2008

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