Grünwettersbach

Wettersbach ist eines der sogenannten Karlsruher Bergdörfer, da es nicht im Rheingraben, sondern östlich des Grabenrands auf der Hoch-
fläche der Alb-Pfinz-Platte  liegt. Das alte  Dorf wurde vom  Kloster  Herrenalb als Rodungssiedlung im Bereich des Wettersbachtals, wo die
Wasserversorgung gewährleistet war, gegründet. Außerdem ermöglichte das Wettersbachtal einen leichten Zugang zur Oberrheinebene.

   
1914                                                     Grünwettersbach                                        2014

Wahrscheinlich lag der ursprüngliche   Dorfkern  aus  Sicherheitsgründen zunächst etwas erhöht im  Bereich der alten Kirche (roter Punkt).
Interessant ist, dass Grünwettersbach
ab der Mitte des 16. Jhdts   inmitten badischen Territoriums bis 1806 württembergisch und damit der
westlichste Teil  Württembergs war. Der zunächst landwirtschaftlich geprägte  Ort veränderte sich mit dem  Entstehen von Arbeitsplätzen in
den umliegenden  Fabriken von Ettlingen,  Durlach und  Karlsruhe zu einer Arbeiterwohngemeinde. 1972 schloss sich Grünwettersbach mit
dem Nachbarort Palmbach unter dem Namen Wettersbach zusammen. S
eit der Eingemeindung 1975 sind Grünwettersbach und Palmbach
 Teilorte/Wohnvororte von Karlsruhe, haben aber noch eine gemeinsame Ortsverwaltung.

Die evangelische Kirche ist zum besseren Vergleich auf beiden Karten mit einem roten Punkt gekennzeichnet.
(Quellen: links Topographische Karte  1 : 25 000 des Großherzoglich Topographischen Bureaus von 1914, rechts OpenStreetMap contributors jeweils Ausschnitte, verändert)


Bilder Mai und August 2008



Blick über Grünwettersbach - Ansicht von Nordwesten
Erkennbar ist die Tieflage großer Ortsbereiche im Tal des Wettersbachs, das beiderseits von löß-/lößlehmbedeckten Flächen
der Pfinz-
Alb-Platte begleitet wird, auf die sich die neueren Ortserweiterungen erstrecken.


Ausschnitt Grünwettersbach
Der Grünstreifen im   Mittelgrund kennzeichnet den  Verlauf des Wettersbachs. Der kleine Turm des Trafohauses etwas
rechts der Bildmitte steht am Wettersbach, in der ehemaligen Bachgasse. In der Tiefe des Tals liegen an beiden Seiten
der Straße "Am Wetterbach" meist ältere  Häuser mit roten  Dächern, neuere Häuser liegen oberhalb an den Talhängen
und Hochflächen.

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Nachtrag 2015

Der Bereich beiderseits der Straße "Am Wetterbach" wurde 2015 als Sanierungsgebiet ausgewiesen.
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Der Wettersbach
Das  Bachbett ist teilweise mit  Buntsandsteinblöcken befestigt;  im Ortsbereich schneidet sich das
Gewässer
in den  Oberen Buntsandstein ein. Normalerweise führt der Wettersbach wenig Wasser,
schwillt aber bei Schneeschmelze, Regengüssen und Unwettern stark an. Dieser Wetterabhängig-
keit verdankt der Bach auch seinen Namen.


Wettersbach
Der kanalisierte  Bach verläuft heute im  Ortsbereich teilweise unterirdisch. Nach den häufigen  Unwettern
des Jahres  2008 mit vielen großen Überschwemmungen in Baden-Württemberg  ist auch heute die Frage
berechtigt, ob  der  Bachquerschnitt die  Wassermassen eines  starken  Unwetters wie im August 1837 bei
dem
die Ernte vernichtet und Häuser und Wege beschädigt  wurden, aufnehmen kann.
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Nachtrag 2016
In der Nacht zum 25. Juni trat bei einem Sturzregen während eines Gewitters der Wettersbach
über die Ufer und überflutete in der Straße "Am Wettersbach" Keller, Garagen und Geschäftsräume.
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Lammplatzbrunnen
Der offizielle Name des Brunnens kommt vom ehemaligen Gasthaus "Zum Lamm", das früher hier stand.

  
Das rechte Bild deutet die Entstehung des Spitznamens des Brunnens an: Kiwwelscheisserbrunnen.
Die Grünwettersbacher hatten den Spitznamen "Kiwwelscheisser", weil sie im Sinne einer Fäkalien-
wirtschaft auch menschliche Exkremente in einem "Kiwwel" (Kübel) sammelten und zum Düngen der
Felder verwendeten.



Die Hauptverkehrsader des Orts ist die Straße "Am Wetterbach".
Im Mittelgrund links das  Rathaus mit kleinem  Dachreiter, oberhalb die alte  Schule und im Hintergrund die
evangelische Kirche. Das Gasthaus "Adler" mit schönem Gewölbekeller ist leider seit Jahren geschlossen.


  
Die evangelische Kirche
Der romanische Turm deutet mit Gardinenfries, gekuppelten Rundbogenfenstern, Zahnschnittkante und zwei
mystischen Köpfen im unteren Bereich
(s.u.) sein hohes Alter an.  Da die Kirche bereits 1278 zum ersten Mal
erwähnt wird , ist dieser  Turm - evtl. bereits aus dem 12. Jhdt - das älteste  Bauwerk von  Grünwettersbach.



Turmausschnitt mit den steinernen Köpfen
Die Steinmasken werden auch Kapuzinerköpfe genannt.


   
Das jüngere Kirchenschiff ist ein schlichter Barockbau und stammt aus dem Jahr 1782, damals erhöhte man auch den romanischen
Turm mit Glockenstube  und Turmhelm.
Beide sind heute - wie das Langhaus - mit  Schieferplatten verkleidet bzw. gedeckt.


Die "Schneller-Burg"
In diesem Haus etwas oberhalb der Kirche arbeitete seit 1925 der Kunstmaler Albert Schneller (1882 - 1970).

  
Hier zwei Beispiele seiner expressionistischen Bilder (Privatbesitz R. Six)

In Grünwettersbach erinnert noch Manches an die vormals bäuerliche Prägung des Orts.


Wingertgasse
Die Scheune zeigt deutlich, dass das Gebäude früher landwirtschaftlich genutzt wurde. Der Stall
lag im unteren   Stockwerk, die Wohnung ist über eine Freitreppe zugänglich. Der untere Teil der
Wingertgasse gehört zum alten Dorfkern.
Im mittleren und oberen Teil gab es früher Weingärten.

  
Zwischen Hauptstraße und Wettersbach
Die  Scheune hinter einem modernisierten Wohnhaus zeigt an ihrer zum Wettersbach gewandten Rück-
seite (rechtes Bild) altes Fachwerk, dessen Gefache noch mit Flechtwerk und einer Stroh/Lehmmischung
ausgefüllt sind.

   
Weitere Scheunen im früher bäuerlich geprägten Bereich der Hauptstraße "Am Wetterbach"


Ehemaliges Bauernhaus - Busenbacher Straße


Am Wetterbach
Das große Einfahrtstor ist ein Hinweis auf die ehemals landwirtschaftliche Nutzung der Gebäude.


Obsthof
Heute befinden sich landwirtschaftliche Haupterwerbsbetriebe nur noch als Aussiedlerhöfe im Bereich der Gemeinde.


Streuobstwiesen um den Ort prägen das Landschaftsbild und bieten vielen Tieren Lebensraum.

Streuobstwiesen sind Wiesen mit verstreut/locker stehenden Obstbäumen.

 
Steinbruch  Schäfer - der letzte von mehreren Steinbrüchen  (vgl. alte Karte am Anfang) im Bunt-
sandstein auf der Grünwettersbacher Gemarkung. Der Blick in den Bruchhof - in dem kein Sand-
stein mehr gebrochen wird - zeigt einen Steinmetzbetrieb in dem u. a. Mauersteine, Grabsteine,
Sandsteintröge hergestellt werden.
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Nachtrag 2016
In einem Tümpel im Bruchhof leben seltene Gelbbauchunken
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Teilbereich (obere rechte Ecke)  aus dem vorherigen Bild
Im Hintergrund sieht man das anstehende Gestein: Oberer Buntsandstein, hier Pfinzsandstein.
Dieser Sandstein war ein häufig genutzter Werkstein der Umgebung und wurde früher in vielen
Steinbrüchen abgebaut und in den umliegenden Städten und Dörfern verwendet.



Ehemalige Tabakwarenfabrik
In diesem großen Buntsandsteinkomplex am nördlichen Ortsanfang produzierte ab Ende des 19. Jahr-
hunderts die Firma "Rieger und Company" zunächst Zigarren im südlichen (linken) Sandsteingebäude,
im später dazu  gebauten nördlichen  Gebäudeteil dann auch andere  Tabakwaren. Unter wechselnden
Besitzern wurde diese  Tabakwarenherstellung bis  Mitte des 20. Jhdts fortgesetzt. Ab 1955 produzierte
hier eine Wäschefabrik. Heute wird das Gebäude teilweise von einem "Fitness-Treff" genutzt.



Gewerbegebiet Seeplatte
Im Bereich der "Seeplatte" haben sich einige Gewerbebetriebe angesiedelt. Früher kam es hier bei Schneeschmelze
oder stärkeren Regenfällen gelegentlich zur Bildung eines kleinen Sees.



Reikertstraße

Neubaugebiete befinden sich an den Hängen und beiderseits oberhalb des Wettersbachtals.


Rötlingweg

      
Der Funkturm
Der Turm steht  mit einer Bauwerkshöhe von 144 m auf ca. 320 m Meereshöhe und bildet damit den höchsten Punkt von Grünwettersbach und Karlsruhe.


Bergdorf Grünwettersbach - Blick von der Horfstraße nach Norden


Bilder Mai und August 2008

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