Verwilderte Steinbrüche

Es ist sehr bedauerlich, dass Steinbrüche/Aufschlüsse im Bereich von Karlsruhe, die vor Jahren noch zugänglich und anschaulich waren, heute verkommen oder nicht mehr zugänglich sind. Dabei wird doch gerade durch die Anschauung das Interesse an der Heimat geweckt und das Erkennen und  Wiedererkennen von Gesteinen gefördert. Hierdurch könnte man das Interesse an  der eigenen Heimat, an Landeskunde und Geologie anregen.



Rosengärtle, Jung-Stilling-Straße
Das ist im Jahr 2005 der ehemalige Zugang zu einem großen Steinbruch, der u.a. eine besonders interessante Naturerscheinung birgt: eine Blattverschiebung, deren Kluft mit Schwerspat ausgefüllt ist und die einen schön ausgeprägten Harnisch (Rutschspuren als Bewegungshinweis) zeigt. Das eingefügte kleine Bild (auch von 2005) des Schilds "Betreten des Steinbruchs auf eigene Gefahr" erinnert daran, dass der Zugang früher möglich war. Mittlerweile ist er anscheinend absichtlich mit Holzabfall versperrt worden.
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Eingeschobener Nachtrag Oktober 2011

Hier einmal eine positive Entwicklung

Quelle: Badische Neueste Nachrichten, 22/23. Okt. 2011, Nr. 245
Offensichtlich wurde die Bedeutung dieses Bruchhofs als Naturdenkmal und  ökologische Nische nun doch erkannt. Es bleibt zu hoffen, dass der Steinbruch nach der Pflegeaktion zugänglich wird. Noch besser wären ein paar erklärende Hinweise auf die geologische und ökologische Bedeutung
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Steinbruch Rosengärtle
Im Frühjahr zeigt sich der verwilderte Steinbruch etwas zugänglicher. Hier folgen also einige Bilder aus dem Bruchhof.

  
Bruchhof
Hat man einmal die "Abfallsperre" am Eingang überwunden, kommt man im Bruchhof besser vorwärts.

  
Plattensandstein
Der Steinbruch liegt im oberen Buntsandstein. Im Bereich der Pfinz wurden die mächtigen Plattensandsteinbänke  Pfinzsandstein genannt. Der beliebte Werkstein (feinkörnig, fest) wurde überall in Karlsruhe,  Durlach  und den Orten der Umgebung verbaut und verarbeitet. Aus Pfinzsandstein bestehen  u.a. das Wahrzeichen Karlsruhes, die Pyramide sowie der Obelisk am Rondellplatz. Bekannte Bauwerke aus diesem Stein sind auch der Rathausturm, die Stephanskirche oder Schloss Gottesaue. Außerdem haben die meisten älteren Gebäude in Karlsruhe einen Sandsteinsockel, sind Türstürze und Fensterbänke, genauso wie die früher gebräuchlichen "Spülsteine", aus Pfinzsandstein.
Die Werksteinbänke sind durch nahezu waagerecht verlaufende Schichtfugen und Mergellagen voneinander getrennt. Senkrecht verlaufende Klüfte entstanden im Zuge der tektonischen Bewegungen bei der Entstehung des Oberrheingrabens. Sie zerteilten die Bänke in Quader.
Die oben abgebildete Stelle ist von besonderem Interesse, denn die breite Kluft, die von oben nach unten verläuft, ist im Zuge einer Blattverschiebung entstanden. Unter einer Blattverschiebung versteht man eine horizontale, seitliche Verschiebung von Gesteinspaketen.
Waypoint: N 48° 59' 17,3'' O 08° 29' 01,3''


Blattverschiebung/Bildhöhe ca 1.20m
Besonders in der rechten Bildhälfte zeigt der Sandstein eine deutliche, waagrecht verlaufende Striemung. Das sind die Bewegungsspuren oder  Rutschstreifen, die die horizontal aneinander vorbei gleitenden Gesteinspakete hinterlassen haben. Die weißlichen Flecken bestehen aus einer dünnen Schwerspatauflage. Solche geglätteten, mit Striemen versehenen Gesteinsflächen nennt man Harnisch.

  
Hydrothermaler Schwerspatgang                                Übergang Plattensandstein/Röttone

Bild links: Leider ist der Mineralgang im Bereich der Blattverschiebung mittlerweile oberflächlich stark verschmutzt, so dass er kaum noch vom beiderseitigen Buntsandstein zu unterscheiden ist. Der Schwerspat  hat sich aus einer warmen Flüssigkeit, die in der Kluft zirkulierte, abgesetzt (hydrothermale Entstehung).
Bild rechts: Direkt über den Werksteinbänken des Plattensandsteins folgen die dünnen Schichten der Röttone (Oberer Buntsandstein).


Wellenkalk
Auf dem Buntsandstein liegt der Untere Muschelkalk, und zwar der graugelbe, dünnschichtige Wellenkalk


Lössüberdeckung
Die oberste Schicht bildet der hier gerade noch schwach zu erkennende gelbliche Löss. Alle Schichten über den genutzten Werksteinbänken (Pfinzsandstein) waren Abraum, d.h. sie mussten abgeräumt  werden, bevor die Werksteine gebrochen werden konnten.



Rittnertwald
Dieser kleine Muschelkalkbruchhof  im Rittnertwald ist durch umgefallene Stämme und Holzabfall fast unzugänglich.



Steinbruch im Rotenbüschle
Der Steinbruch im oberen Buntsandstein liegt westlich von Hohenwettersbach direkt bei einer kleinen Autobahnunterführung
(N 48°57'57,6'' und S 08°27''59,3'').


Oberer Buntsandstein, ausgeprägte waagerechte Schichtfugen, Klüfte.

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