Durlach - Turmberg

Der Turmberg am östlichen Rand des Oberrheingrabens überragt Durlach ungefähr um 130 m und bildet mit  mit dem Turmbergturm einen hervorragenden Ausichtspunkt über die Stadt. Er ist mit Straße und Bergbahn erschlossen und stellt mit Spielplätzen und Lokalen ein beliebtes Ausflugsziel dar.


Der Turmberg
Blick über die Freilandgemüsefelder bei Wolfartsweier zum Turmberg. Zu sehen sind die Rebflächen unterhalb des Turms, der Bergfried/Aussichtsturm und die Höhenabnahme des Turmbergs nach Osten (rechts)


Turmberg
Von der Straßenbahnendstation Durlach Turmberg blickt man über die Bergbahnstraße zum Turmberg.


Talstation Turmbergbahn


Mit der Standseilbahn ist der Berg für jedermann leicht zu erreichen.

Zu Fuß folgt man der Turmbergstraße nach oben und biegt am Anfang des Burgwegs in einen schmalen, steilen Weg halbrechts ein.


Aufschluss Wellenkalk
Rechts am Wegrand findet man beim Aufstieg diesen Aufschluss des unteren Muschelkalks


Wellenkalk
Deutlich sind die dünnen, leicht gewellten Schichten des grauen Gesteins zu sehen
Die GPS-Daten (Waypoint vom 02-MAI-08 9:43:01, N48 59.918 E8 29.156,  167 m) zeigen, dass der Wellenkalk hier auf einer Höhe von 167 m liegt.


     
Die ehemalige Burgstelle mit Bergfried
Im Bereich einer älteren Wohnturmburg der Grafen von Hohenberg aus dem 11. Jhdt. wurde der Bergfried - als Ersatz für einen Vorgänger - in der ersten Hälfte des 13. Jhdts. erbaut. Später kam die Burg in den Besitz der Markgrafen von Baden. Bei der Zerstörung Durlachs 1659 brannte auch dieser Turm aus. Nach langem Leerstand wurde dann der Turm Anfang des 19. Jhdts. wieder instandgesetzt und schon gegen Ende des Jahrhunderts mit einer Gastwirtschaft ergänzt.


Buckelquader
Der Turm besteht aus Buntsandstein, die einzelnen Steine haben einen glatten Rand und eine raue, erhöhte Innenfläche, es sind sogenannte Buckelquader mit Randschlag. Deutlich wird auch (links) die typische, glatte Eckkante staufischer Gemäuer.



  
Details Bergfried
Den Turm besteigt man heute über einen später angefügten Treppenturm (links) aus Muschelkalkwerksteinen. Früher gelangte man  aus wehrtechnischen Gründen nur über eine Leiter durch den  spitzbogigen, gotischen Eingang (rechts) in über 12 m Höhe in den Turm .

Der Turm ist eine hervorragende Aussichtsplattform. Die nächsten Bilder zeigen die Sicht in die verschiedenen Himmelsrichtungen.

Blick nach Westen
Bei klarem Wetter kann man vom Turm (in Richtung der Durlacher Allee in der Bildmitte) quer über den gesamten Oberrheingraben bis zur westlichen Grabenflanke, dem Pfälzerwald - in ca. 45 Km - Entfernung sehen. Eine Interpretationsskizze folgt mit dem nächsten Bild. Deutlich erkennbar ist die ovale Altstadt Durlachs an den roten Ziegeldächern im Mittelgrund. Sie ist von einem weiten Ring neuerer Häuser umgeben. Es wird auch sichtbar, dass die Stadt Karlsruhe großenteils von Wald umgeben ist.


Interpretationsskizze

Das nächste Bild zeigt einen gezoomten Ausschnitt des obigen Bildes, als Fixpunkt mag das Durlacher Schloss ( im obigen Bild unter der Schrift Altstadt) dienen.

Blick nach Westen
Der Rheinlauf liegt ungefähr in Höhe der Schornsteine und Windkraftanlagen im Bildhintergrund


Interpretationsskizze
Viele der Standpunkte der beschriebenen Route durch Durlach sind auf dem Bild zu sehen.

Mit dem nächsten Bild schwenken wir nach Westsüdwest
.

Blick nach Westsüdwest
Das Rheinhafendampfkraftwerk (Schornsteine hier im Bild rechts) stellt den Anschluss zum vorigen Bild dar.


Interpretationsskizze

Noch ein Schwenk weiter, nach Südwesten.
Den Anschluss an das vorige Bild vermittelt der Oberwald (siehe Interpretationsskizze weiter unten).


Blick nach Südwesten
Man schaut über das gehobene Wohngebiet Geigersberg zur bewaldeten östlichen Grabenflanke. Das Gebiet um Aue und Wolfartsweier ist vom Feldgemüseanbau und von Gärten geprägt. Im Hintergrund liegt der Oberwald, ein Bruchwaldgebiet im Bereich der Rinne des ehemaligen Kinzig-Murg-Stroms.


Interpretationsskizze

Schließlich blickt man nach Süden.
Hier bildet der Funkturm (im obigen Bild unter dem "Ö" von "Östliche Grabenflanke") den Anschluss.

Blick nach Süden
Die Grabenflanke ist großenteils noch bewaldet. Die etwas einsam gelegene Bergwaldsiedlung zwischen Wasserturm (Mittelgrund links) und Funkturm entstand ab 1963 und wird vom Landschaftsschutzgebiet umgeben


Interpretationsskizze

Nach Betrachten des Südteils geht der Blick nun in nördliche Richtung

Blick nach Nordwesten
Im Vordergrund die Autobahn A 5 mit der neuen Ausfahrt Karlsruhe Nord (Nr. 43). Damit werden die im Mittelgrund rechts sichtbaren Hagsfelder Gewerbegebiete Storrenacker und Roßweide sowie das Durlacher Gewerbegebiet "Auf der Breit" angebunden. Im weiteren Mittelgrund die Hochhäuser der Waldstadt, die teilweise mitten in den Hardtwald gebaut wurde.


Interpretationsskizze
Ergänzung zum mit "Pfizer" bezeichneten Gebäudekomplex: Pfizer hat 2008 seine Unternehmenszentrale in Deutschland von Karlsruhe nach Berlin verlegt. Nur das Hochregallager wird weiter von Pfizer genutzt. Das Areal soll verkauft werden, bis Anfang 2009 ist aber noch kein Käufer genannt worden. Als Übergangslösung mietet der Energiekonzern EnBW die Bürogebäude und verlegt einen Teil seiner - unter Platzmangel leidenden -  Hauptverwaltung bis auf weiteres hierher.

Blickschwenk weiter in nördlichere Richtung


Blick nach Nordnordwesten
Im Zentrum des Bildes sieht man  das zu Durlach gehörende Gewerbegebiet Breit. Die Brückenbaustelle in Bildmitte links liegt an der Fortsetzung der Straße von der Autobahnausfahrt Karlsruhe Nord (siehe voriges Bild) nach Südosten. Im Bildhintergrund die ausgedehnte Fläche des Hardtwalds, in die das Forschungszentrum Karlsuhe eingebettet ist. Links von den Schornsteinen des Forschungszentrums erkennt man noch die Wasserdampffahne vom Kühlturm des Kernkraftwerks Philippsburg


Interpretationsskizze

Blick fast nach Norden

Blick nach NNO
Hier blicken wir jetzt von Süden auf die östliche Grabenflanke. Auch hier ist die Hangkante meist bewaldet, in günstigerer Südexposition befinden sich Gärten oder Weinberge. Das Waldgebiet an der Ostseite der Niederterrasse ist ebenfalls großenteils ein Feuchtwaldgebiet mit dem Weingartener Moor im Bereich der Kinzig-Murg-Rinne. Der Ort Grötzingen liegt an der Einmündung des Pfinztals in den Oberrheingraben. Die landwirtschaftlich/obstgärtnerisch genutzten Flächen im Vordergrund gehören zum Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg, in dem mehrere landwirtschaftlich ausgerichtete Institute vereinigt sind.


Interpretationsskizze

Schließlich noch ein Blickschwenk nach Osten

Blick nach Osten
Man schaut über den mit Laubwald bestandenen östlichen Grabenrand. Die Ackerfläche im Mittelgrund ist ein Ausläufer des Kraichgaus im Hintergrund rechts.


Interpretationsskizze mit eingefügtem Bild des Folienackers zur Veranschaulichung

Nach dem Abstieg vom Turm kann man an der Straßenkurve unterhalb des Gasthauses nach dem anstehenden Gestein suchen.


Andeutung eines Aufschlusses
(GPS-Waypoint vom 02-MAI-08, 10:21:12, N48 59.812 E8 29.096, 243 m)
Nach geologischen Karten besteht die Umgebung des Burgbereichs aus oberem Muschelkalk - allerdings ist hier kaum ein brauchbarer Aufschluss zu finden. Unterhalb der Burgmauer kann man den dickbankigen Oberen Muschelkalk an einer Stelle "erahnen". Der Brunnen an der Treppe gegenüber der Bergstation ist auch aus Muschelkalk.

Es geht ein kleines Stück weiter die Jean-Ritzert-Straße nach Osten. Beim Beginn des Kinderspielplatzes muss man nach links abbiegen.

   
               Kinderspielplatz                                                        Servicehaus Waldseilpark

Hinter dem Servicehaus geht es nach links zu einem Einschnitt des ehemaligen Schießstands


Lössaufschluss beim Kinderspielplatz im Mai 2008.
Früher wurde die Stelle von dem Spielplatz mitgenutzt, die beiden Seiten waren wenig bewachsen, der Löss war deutlich zu sehen.Heute ist das Spielgerät abgebaut und die Stelle leider total vernachlässigt und deshalb nur noch schlecht zugänglich.


Lössaufschluss im März 2011
Heute ist der Zugang abgesperrt, aber man kann auf der rechten Seite an dem Einschnitt nach hinten gehen und zu dem Aufschluss kommen. Im Hintergrund rechts sieht man Einrichtungen des Waldseilparks.


Lössaufschluss
Mit etwas Suchen kann man den Löss noch an beiden Seiten finden. Es handelt sich um ein gelbliches, feinstkörniges, weiches aber standfestes Gestein, das hier dem Muschelkalk aufliegt. Auf diesem Gestein konnten sich die fruchtbaren Böden des Kraichgaus entwickeln.

Wir folgen dem Weg vom Servicehaus ein kleines Stück nach Osten, biegen in den Weg nach rechts (Süden) ein.


Waldseilpark - Blick nach Norden

Dem Weg folgen wir bis zu einer Abzweigung unterhalb des
Schützenhauses. Man findet die Stelle auch, indem man auf der Straße am Schützenhaus vorbeigeht und gleich nach dem Biergarten links abbiegt und dann auf einem Weg etwas zurück, nach unten läuft.


Wellenkalk hinter dem Schützenhaus


Laut GPS-Waypoint (02-MAI-08, 10:42:05, N48 59.708 E8 29.615, 223 m) liegt der Wellenkalk hier 223 m hoch, also mehr als 50 m über dem ersten Aufschluss am Aufstieg zum Turmberg mit dem gleichen Wellenkalk. Das gleiche Gestein müsste aber ungefähr auf gleicher Höhe liegen. Man kann den Höhenunterschied damit erklären, dass der Turmberg von mehreren Störungen, die in Süd-Nord-Richtung verlaufen, durchzogen ist. An den Störungen wurden Gesteinspakete gegeneinander vertikal verschoben. Die Gesteinsscholle im Bereich der Burgstelle ist offensichtlich im Zuge der Grabenbildung abgesunken, so dass der Wellenkalk dort tiefer liegt. Aber eigenartigerweise ist der Turmberg (256 m) auf der gesunkenen Scholle trotzdem höher als die östlich anschließende Scholle. Die Erklärung liegt darin, dass der härtere Obere Muschelkalk durch die Absenkung in die gleich Höhenlage wie der weichere Untere Muschelkalk hinter dem Schützenhaus kam. Das härtere Gestein wurde weniger stark abgetragen und ist nun trotz des Absinkens höher. Man spricht bei einem solchen Vorgang von Reliefumkehr.

 Zurück zur Straße beim Schützenhaus, die Straße überqueren und nach links in einen Weg, der zunächst parallel zur Straße verläuft, einbiegen. Diesem Weg am Waldrand entlang folgen bis zum Hotzerweg. Dort nach unten rechts abbiegen. Nach unten bis zur Rittnertstraße. Nach links (südöstlich) der Straße folgen bis zum Schild "Rittnertstraße 101 - 115". Links in die Sackgasse abbiegen, nach hinten links bis zum eingezäunten Aufschluss gehen.  

  
Aufschluss Rittnertstraße
Dieser Aufschluss in einem ehemaligen Steinbruch zeigt eine interessante Schichtenabfolge (vgl. stratigraphisches Profil). Nach den rötlichen Schichten des oberen Buntsandsteins folgen die gelblichgrauen Schichten des unteren Muschelkalks (Wellenkalk). Nach einem Hiatus (einer Lücke in der normalen Schichtenabfolge) ist ganz oben der gelbe Löss zu erkennen.


Pfinzsandstein
Ganz unten liegt hier der früher abgebaute Werkstein, der Pfinzsandstein, mit dem sehr viele Gebäude in Durlach und Karlsruhe errichtet wurden. Es handelt sich um einen massigen, dickbankigen, harten Sandstein.

  
Details Aufschluss
Leider ist auch dieser Aufschluss mittlerweile sehr zugewachsen (linkes BIld), außerdem wird der Zugang durch einen Zaun mit Verbotsschildern verhindert. Es ist sehr bedauerlich, wie die vor Jahren noch anschaulichen Aufschlüsse im Bereich des Turmbergs heute verkommen oder nicht mehr zugänglich sind. Anscheinend interessiert sich kaum noch jemand für Geographie oder Geologie.
Zum Beleg dieser Aussage kann man hier weitere Bilder von verkommenen Aufschlüssen im Raum Karlsruhe aufrufen.

Schließlich führt der Weg über die Rittnertstraße, Dürrbachstraße, Posseltstraße zurück zur Talstation der Turmbergbahn.
An den (neuen und alten) Häusern kann man sehen, dass der Turmbergsüd- /südwesthang schon lange ein bevorzugtes Wohngebiet ist.
  

  

  
Früher herrschten Villen vor, heute sind Lücken mit Mehrfamilienhäusern aufgefüllt worden.


Rebgelände am Turmberg
Der Südhang des Turmbergs ist ein altes Weinbaugebiet. Heute erzeugt hier das Staatsweingut gefragte Weine.




Vom Weingut geht es durch die Posseltstraße und Bergbahnstraße zurück zur Endhaltestelle der Straßenbahn.
Bilder vom Mai 2008

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