Knielingen

Die Endung "...ingen" des Ortsnamens deutet auf eine sehr alte alemannische Siedlung hin, was durch die erste Erwähnung des Ortes als "Cnutlinga" in einer Urkunde von 789 bestätigt wird. Damit ist Knielingen der älteste Stadtteil von Karlsruhe. Der Ort war lange von der Landwirtschaft (Hanf- und Flachsanbau, Pferdezucht) geprägt, wandelte sich mit der Entstehung umliegender Industriegebiete (Rheinhafen) allmählich zum Arbeiterwohnort und wurde von den Nationalsozialisten 1935 zwangsweise nach Karlsruhe eingemeindet.
Der große Stadtteil erstreckt sich heute vom Rhein im Westen bis zur Bahntrasse zwischen Mühlburg und Neureut im Osten. Im Süden reicht die Fläche des Stadtteils bis zum Rheinhafen und im Norden verläuft  sie vom Rhein bis zum sogenannten Bodensee an der Gemarkungsgrenze von Karlsruhe und dann entlang des städtischen Hauptsammelkanals nach Südosten.  Grobe Eckpunkte der Knielinger Gemarkung wären also die Einfahrten von Rheinhafen und Ölhafen, das Karlsruher Klärwerk und der "Windmühlenberg".

BIlder ohne Datum von Februar 2009

Der alte Dorfbereich


Rheinschlingen im Bereich von Knielingen
Quelle: Karte von Thürach (1912) aus: Hartleb, Ludäscher, Mitlöhner: Der Wirtschaftsraum Karlsruhe. Veränderter Ausschnitt 
Die Karte zeigt die erhöhte Lage Knielingens auf einem vorspringendem Sporn des Hochgestades. Die Situation am Hochufer war früher durch ständige Laufverlagerungen des Rheins (siehe alte Rheinläufe südlich und nördlich des Orts) gefährlich. Trotzdem wehrten sich die Knielinger vehement gegen den "Knielinger Durchstich", der im Zuge der "Rhein-Rectification" von Tulla  ab 1817 erfolgte und Verluste von nun  linksrheinischem Gebiet mit sich brachte.


Knielingen vom "Holzbierebuckel", Blick nach NNO
Der Blick vom künstlich aufgeschütteten Hügel zeigt deutlich die erhöhte Lage der Kirche, des Rathauses (gelbliches Gebäude vor der Kirche) und der rechts  anschließenden Häuser im Bereich der ehemaligen Hauptstraße (heute Saarlandstraße) auf dem Hochgestade. Die vorderen Häuser im Bereich der "Unteren Straße" stehen bereits im Tiefgestade, in der früher hochwassergefährdeten Rheinnniederung. Die Schornsteine im Hintergrund gehören zur Miro (Mineraloelraffinerie Oberrhein).


Saarlandstraße, Blick zur Evangelischen Kirche
Das große Fachwerkhaus am früheren nordwestlichen Ortseingang von Knielingen diente u.a. als Zollstation.



  
Die Evangelische Kirche
Die in Teilen (Chor, unterer Bereich des Turms) noch gotische Kirche ist eine der ältesten Kirchen von Karlsruhe. Das Langhaus ist im historisierenden Stil neugotisch erneuert worden.




Blick vom Kirchenvorplatz nach NW in die Saarlandstraße
Die Fachwerkhäuser am früheren Ortsanfang vermitteln noch heute eine Vorstellung vom ehemaligen Dorfcharakter Knielingens. Erkennbar ist auch der Anstieg von der Rheinniederung auf das Hochgestade (Niederterrasse). Die heutige Saarlandstraße war die ehemalige Hauptstraße Knielingens.


Das alte Schulhaus in der Saarlandstraße ist heute in Privatbesitz




Das ehemalige Rathaus in der Saarlandstraße


Das Schild zeigt neben dem Karlsruher Stadtwappen das Wappen von Knielingen, ein Pentagramm. Vielleicht wurde diesem Drudenfuß früher einmal eine magische Bedeutung beigemessen. Die nicht ganz gelungene Ergänzung unten im Schild zeigt, dass das frühere Rathaus heute als Jugendzentrum genutzt wird. Einen weiteren interessanten Gedanken verdeutlicht das kaum noch leserliche, aufgeklebte Papierschild (s.u. Ausschnitt) "Freiheit für Baden" . . .





Saarlandstraße, ehemaliges Gasthaus "Zur Kanne"
Im Gegensatz zur Fassade an der früheren Hauptstraße ist an der Seitenwand das Fachwerk des Gebäudes zu erkennen. Neben einer Hausbrauerei wurde hier auch eine Brennerei und Kelterei betrieben. Die schmale Seitengasse ist die Goldwäschergasse.

  

Im Rhein wurde früher Gold gewaschen, das in winzigen Goldflittern von den Alpen bis in den Rheingraben transportiert worden war.  Besonders am Kopf neugebildeter Inseln im Strombereich lagerten sich die Goldteilchen ab. Mit der Rheinkorrektion verlagerte sich der Strom nicht mehr, es bildeten sich keine neuen Goldlagerstätten (Goldseifen) und die - schon immer nicht sehr ergiebige - Goldwäscherei lohnte sich überhaupt nicht mehr.

Giebelständiges Fachwerkhaus mit Wetterdächern und Krüppelwalm, Untere Straße 5


Infoschild Untere Straße Nr. 5
Die "Untere Straße" ist die westliche Parallelstraße zur ehemaligen Hauptstraße. Sie hat ihren Namen davon, dass sie unten im Tiefgestade parallel zur Alb  verlief.


Verbindung Untere Straße - Saarlandstraße
Das Bild verdeutlicht den Anstieg vom Tiefgestade zum Hochgestade

  
Nr. 13               Ehemalige Bauernhäuser in der Saarlandstraße             Nr.27
Links ein giebelständiges Fachwerkhaus, rechts ein traufständiges Gebäude mit großer Hofeinfahrt.


Kreuzung Saarlandstraße/Eggensteinerstraße
Dieses ehemalige Schulhaus ersetzte die kleine Schule in der Nähe der Kirche. Heute wird es teilweise als Begegnungsstätte benutzt



  


Eggensteinerstraße
Das giebelständige, ehemalige Bauernhaus wird wie üblich von der Traufseite erschlossen und umschließt mit Scheune, Schuppen und Einfahrtstor den Hof.


Blick von Lauterburgerstraße zur Rückseite der Häuser in der Litzelaustraße
Das Bild zeigt noch einmal deutlich den Höhenunterschied zwischen Hochgestade (links) und  Tiefgestade. Möglicherweise wurde das Hochufer hier durch die Erosionsarbeit der - heute etwas weiter westlich fließenden - Alb noch übersteilt.


Blick von der Burgaubrücke nach Nordwesten
Die Alb bildete hier die westliche Grenze des alten Dorfes.


Blick zum Holzbierebuckel
Das Schild "Naturschutzgebiet" ist ein erster  Hinweis auf die im Westen von Knielingen bis zum Rhein reichenden Landschafts- und Naturschutzgebiete Burgau und Altrhein/Maxau.


Der Holzbierebuckel


Hinweistafel am Holzbierebuckel


Hinweisschild am Holbzierebuckel

Im Westen des Stadtteil befinden sich die oben genannten Naturschutzgebiete und nördlich davon das Industriegebiet am Rhein

Der neuere Ortsteil von Knielingen mit dem Siemens Industriepark wird später beschrieben.

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