Grötzingen


Die Siedlung hieß ehemals Grezzingen. Der  Name stammt wohl von einem früheren Sippenführer.

Der Ort liegt an der Einmündung des Pfinztals in den Oberrheingraben, hat also auch eine besonders verkehrsgünstige Lage. Deshalb gibt es hier eine lange Siedlungskontinuität; von der Latènezeit über die Römer bis zu den Merowingern hat man Siedlungspuren gefunden. Die Endung "-ingen" weist auf einen Ort des Altsiedellands hin. Das Dorf ist bereits 991 als Besitz des Klosters Weißenburg in einer Urkunde erwähnt. Nach wechselnden Herrschaftsverhältnissen kam Grötzingen im 13. Jh. zu Baden. Das Bauerndorf konnte bis zum Ende des 16. Jhs. seinen Wohlstand mehren, litt dann aber unter den Kriegen des 17. Jhs. Mit der Industrialisierung und dem Bau der Eisenbahnlinie durch Grötzingen (1859 Grötzinger Bahnhof) änderte sich allmählich die Struktur des Orts: Vollerwerbsbetriebe wurden zu Nebenerwerbsbetrieben, aus Kleinbauern wurden Arbeiter, aus dem Bauerndorf wurde auch hier eine Arbeiterwohngemeinde und die Eingemeindung 1974 machte Grötzingen schließlich zu einem Stadtteil und Wohnvorort von Karlsruhe.

Bilder ohne Datum vom April 2009



Grötzingen vom Durlacher Turmberg aus. Blick nach NNO
Das Foto zeigt im Mittelgrund Grötzingen am Ausgang des von Osten kommenden Pfinztals. Der Stadtteil hat sich heute bis in den Oberrheingraben ausgedehnt, die urbanen Hochhäuser links stehen an der westlichen Peripherie des Orts und verdeutlichen den Wandel vom Bauerndorf zum städtischen Wohnvorort. Der Anstieg im Osten (rechts) ist die östliche Flanke des Oberrheingrabens.


Grötzingen auf einer  Karte von 1914
(Quelle: Topographische Karte  1 : 25 000 des Großherzoglich Topographischen Bureaus von 1914, zusammengefügte Ausschnitte Blatt Karlsruhe, Blatt Weingarten)

Die Siedlungsfläche ist hier noch deutlich kleiner als auf dem obigen Bild. Die geschlossene Bebauung reicht heute bis zu der Straße im Nordwesten der Karte ("Ld.Str", heute B3.) und im Osten bis über die hier eingezeichneten Fabriken hinaus. Diese Fabriken sind erste Anzeichen der Veränderung der Wirtschaftsstruktur des Orts. Deutlich werden die in das Pfinztal hineinziehenden Verkehrslinien (Bahn und Landstraße (südl. der Bahnlinien = "Ld.Str."  heute B10), die den Ort in einen nördlichen und einen südlichen Teil trennen. Die eingezeichneten Steinbrüche (Oberer Buntsandstein, Pfinzsandstein) im Nord- und Südosten lieferten lange Zeit das Baumaterial für den Ort und die Stadt Karlsruhe. Die Sandgrube ("Sdgr.") am oberen Kartenrand liegt bereits im Oberrheingraben (Niederterasse, Kinzig-Murg-Rinne). Die Signaturen für Rebflächen am West- und Südhang des Knittelbergs und Rothbergs zeigen die ehemalige Ausdehnung  des Weinbaus und deuten damit seine frühere Bedeutung für Grötzingen an.

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